FILM GRADING - Unsichtbare Dramaturgie bei RÉSISTANCE – WIDERSTAND

Ein Colorist/Grader ist für den individuellen Look und die Farbkorrekturen der Bilder beim Film, Fernsehen und in der Werbung zuständig. Um gewünschte Stimmungen auf der Leinwand entstehen zu lassen, setzt er digital Schatten oder Highlights & verstärkt/mindert Kontraste sowie Farben.

An unserem aktuellen Film „RÉSISTANCE - WIDERSTAND“ waren sogar zwei Coloristen am Werk: Bianca und Florian „Utsi“.

Die beiden haben als Team zusammengearbeitet, was äußerst außergewöhnlich ist. Im Interview zu ihrer Arbeit an RÉSISTANCE - WIDERSTAND erklären sie, was ihre Zusammenarbeit weltweit einzigartig macht und wie sie die Dramaturgie eines Films mithilfe von Farben ungemein unterstützen.

Zwischen Psychologie & Kreativität - Das Interview mit Bianca Rudolph und Florian Martin.

Ihr seid Coloristen. Wie würdet ihr eure Arbeit in einem Satz beschreiben?

Grading ist ein Element, das der Zuschauer nicht wahrnimmt, das aber gleichzeitig die Szenen und Gefühle des Films farblich ungemein unterstützt und so beim Zuschauer emotional etwas bewirkt.

Welche Rolle spielt der Look?

Der Look hat, wie die Musik, ein erhebliches Potenzial uns bei einer Szene emotional zu beeinflussen. Er versetzt den Zuschauer in die Stimmung und Zeit des Films, ist eng mit der Vision von Regisseur*in und Kameramann/frau verknüpft und muss mit der Leistung der Schauspieler harmonieren. Das Grading bietet somit beispielsweise einen großen Spielraum Spannungsbögen zu intensivieren. Dabei sind die Farben allerdings ein unsichtbarer Teil des Erzählprozess und sollten auf keinen Fall auffallen.

Welche Stimmung sollte das Grading von RÉSISTANCE – WIDERSTAND vermitteln?

Wir wollten den Film-Look von Negativ – und Printfilmen aus der Zeit, in der der Film spielt, in eine moderne Welt übersetzen.

Was ist euch beim Grading von RÉSISTANCE – WIDERSTAND am meisten in Erinnerung geblieben?

Am aufwendigsten war definitiv die Verfolgungs-Szene im Wald gegen Ende des Films. Hier mussten wir immer wieder neue Ansätze ausprobieren, um aus dem Kunstschnee & strahlenden Sonnenschein beim Dreh, eine düstere Nacht-Szene zu erzeugen. Das Grading hat hier aber vor allem wahnsinnig viel Spaß gemacht, da wir die Intensität der Szene durch kleinste Anpassungen im Grading intensiv mitgestalten konnten.

Was ist das Besondere an eurer Zusammenarbeit?

Normalerweise arbeitet ein Lead Colorist zusammen mit einem oder mehreren Assistenten an einem Projekt. Wir arbeiten an vielen internationalen Projekten, wie auch bei RÉSISTANCE – WIDERSTAND, als Team. D. h. wir arbeiten als zwei Lead Coloristen gleichzeitig an einem Film. Das ist etwas weltweit Einzigartiges und funktioniert nur deshalb, weil wir dieselbe Bildsprache sprechen & natürlich auch gerne zusammenarbeiten! ;)

Könnten ihr einen Film eigentlich noch ganz normal genießen, ohne über das Grading nachzudenken?

Den Kopf im Kino auch mal auszuschalten, ist gar nicht so einfach. Man lebt den Beruf sehr. Jeder Colorist hat seine ganz eigene Herangehensweise und man vergleicht gerne, wie andere aus der Branche mit Farben umgehen. Es ist allerdings auch immer wieder spannend zu sehen, wie ein neues Projekt die Szene mit einem neuartigen Look anstößt.

Was ist für euch das Wichtigste bei der Arbeit als Colorist?

Der Schlüssel zu einem guten Coloristen ist für uns die Kommunikation & Offenheit für neue Ideen. Da jeder einen anderen Farbgeschmack und Wahrnehmung hat, fungiert der Colorist hier oft als Vermittler zwischen den Parteien und steht mit seiner eigenen Kreativität beratend zur Seite.

Ganzes Interview hier zu lesen.